Die Wirtschaftswoche in Südosteuropa: Ex-Minister in Haft

9. April 2010

Damir Polančec - (c) RobertaF. CC3.0In dieser Woche verschwand ein wichtiger Akteur bis auf weiteres von der Bühne. Der zur Jahresbeginn unter Korruptionsvorwürfen zurückgetretene kroatische Wirtschaftsminister und Vizepremier Damir Polančec wurde von den kroatischen Behörden wegen seiner mutmaßlichen Verwicklung in die Podravka-Affäre festgenommen. Nichts zu lachen hatte auch die montenegrinische Regierung. Die Schulden Montenegros stiegen einem Bericht des Nachrichtenportals Analitika zufolge auf 1,1 Mrd. EUR oder 1800 EUR pro Kopf bzw. 23,3% des BIP. Dies ist aber immer noch deutlich weniger als die 5.000 pro Einwohner im benachbarten Kroatien. Die montenegrinische Regierung blieb außerdem auf dem zum Verkauf angebotenen 54%-Anteil des Hafens Bar sitzen.
Damir Polančec (c) RobertaF.
Der bosniakisch-kroatischen Föderation könnte mehr Erfolg beschieden sein: Immerhin ein Angebot ging für die Tabakfabrik Mostar ein, angeblich von einem deutschen Unternehmen mit dem Namen Beaty Case. Gute Nachrichten auf für Autofahrer in der Vojvodina: Für den Ausbau der Autobahn E-75 Horgoš-Novi Sad auf dem europäischen Korridor X wurde ein Konsortium unter Leitung der serbischen PZP Beograd ausgewählt. Nicht vorwärts kommt dagegen der Rechtsstreit der österreichischen EVN um Altschulden in Millionenhöhe in Mazedonien.

Kroatisch lernen für den Urlaub – Sprachkurs in Berlin

7. April 2010

Kroatisch für den Urlaub - Küste bei Brač
Foto: Wikimedia
   
   
Sind Sie im Sommer an der kroatischen Adriaküste, in Dubrovnik, Split oder Zadar? Oder im Hinterland von Istrien? Und möchten sich mit einfachen Redewendungen im Land verständigen können?
   
Dann lassen Sie Ihren Kroatienurlaub bei uns beginnen: Den ganzen Beitrag lesen »

Sprachratgeber

30. März 2010

Für alle sprachinteressierten Blogleser empfehlen wir heute diese interessante und nützliche Internetseite: Der Jezični savjetnik erklärt kroatische Sprachphänomäne und Grammatikpunkte in der Landessprache (die aber für das Serbische und Bosnische weitestgehend auch gelten). Wer also schon immer mal etwas über die korrekte Schreibweise des Trg kralja Tomislava oder die ungarischen Lehnwörter in unserem südslawischen Sprachgebiet erfahren wollte, ist dort an der richtigen Adresse.

Und hier geht’s nun endlich zum Jezični savjetnik.

Viel Spaß beim Entdecken!

Svakidašnja jadikovka – Tin Ujević

23. März 2010

tin_ujevic.jpgHeute können Sie ein Gedicht des kroatischen Dichters Tin Ujević entdecken. Die beigefügte Vertonung des Textes erleichtert es Ihnen, sich an den Klang der Sprache zu gewöhnen und es eindrucksvoll auf Sie wirken zu lassen.

Das Gedicht passt zur momentanen Passionszeit (korizma oder četrdesetnica), da Parallelen zum Leiden Christi thematisiert werden.

Foto: Wikimedia
   
   

Svakidašnja jadikovka

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Kako je teško biti slab,
Kako je teško biti sam,
I biti star, a biti mlad!

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Bomec: Stigao sam!

23. März 2010

Stimmen aus der Fremde –
Expats berichten aus Südosteuropa

Momentaufnahme

Dienstag, 16.15 Uhr: Auf dem Beckenrand des Brunnens vor dem Hotel Moskva sitzen vier nackte, tropfnasse Jungen. Offensichtlich sind es Roma-Kinder, dunkelhäutig und mager und mit wilden, schwarzen Haaren. Immer wieder sieht man in Belgrad Zigeunerkinder, die tagsüber auf der Suche nach Verwertbarem die Müllcontainer der Innenstadt durchsuchen. Abends kehren sie in die Flüchtlings-Siedlung am Save-Ufer zurück.

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Terazijska česma / Terazije-Brunnen vor dem Hotel Moskva; Foto: Dušica Ristić
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Kroatischkurs für Anfänger in Berlin

18. März 2010

Ab dem 28. April findet unser neuer Kroatischkurs für Anfänger statt. Mit unserer muttersprachlichen Sprachlehrerin werden Sie drei Monate lang in einer Kleingruppe von 3 bis 6 Personen die Grundzüge der kroatischen Sprache erlernen. Den im Unterricht erlernten Stoff können Sie zuhause eigenständig wiederholen, vertiefen und erweitern. Wir arbeiten mit dem Lehrbuch Učimo hrvatski, das im Kurspreis von 220 EUR bereits enthalten ist. Der Treffpunkt ist jeden Mittwoch von 19.00 bis 20.30 Uhr in der Kopenhagener Str. 57, 10437 Berlin. Wir freuen uns auf Sie!
“…ein professionelles Sprachtraining
bei dem es einiges zu Lachen gab und das mittlerweile
seine Praxistauglichkeit beweisen konnte…”

Details und Anmeldung zum Kroatisch-Sprachkurs hier.

Bomec: Stigao sam!

17. März 2010

Stimmen aus der Fremde –
Expats berichten aus Südosteuropa

Hotel Moskva

Der Boden der Halle ist mit blassrosafarbenem, die Wände mit dunkelrotem Marmor getäfelt. Deckenhohe Rauchglasspiegel an den Stirnseiten des Saals verlängern die monumentalen Dimensionen des Cafés zu beiden Seiten und strecken die Ostblockleere dazwischen ins Unendliche. Vier triebwerkgroße, ruppige Eisenlüster hängen an armdicken Ketten aus goldbeschlagenen Kuppeln von der Decke, strahlen mit unzähligen Glühbirnen und tauchen den Saal in ein gelbrotes Licht, das strahlend hell ist und gleichzeitig seltsam düster wirkt. Eine Armee von rotsamtenen Drehsesseln belagert in Viererformationen die polierten, schwarzroten Granitplatten der Bistrotische, in deren glänzende Messingsockel in kyrillischer Schrift der Name des Hauses eingraviert ist: “Hotel Moskva Beograd”.

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Hotel Moskva im März 2010; Foto: Dušica Ristić

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Osijek VI

20. November 2009

Stimmen aus der Fremde –
Expats berichten aus Südosteuropa

  Bettina Lehmann Foto: Iwo Zmyslony
Bettina Lehmann - Foto: Iwo Zmyslony

VI Wie ich die Sprache lern(t)e

In Osijek höre ich ein Kroatisch, das mir als das langsamste und deutlichste des ganzen Landes angepriesen wird. Die Region sei im Grunde die geeignetste, um diese schöne, wenn auch – da seien wir ehrlich – sehr schwere Sprache zu erlernen. Allen, die es wagen wollen, allen, die sich von der äußerst sparsamen Verwendung von Vokalen nicht schrecken lassen, allen, die den Buchstaben R mögen, die Freude daran haben, ihn kehlig im Rachen zu rollen und bereit sind, ihn in seiner janusköpfigen Natur auch gelegentlich als Vokal anzuerkennen, sei der Nordosten der Republik ans Herz gelegt. Hier werde langsam gerollt, der Silbe der ihr gebührende Raum gegeben, die Melodie fein gesungen. Hier werde ein Satz, den zu sagen ein Istrier eine Sekunde benötigt und den ein Zagreber in immerhin zwei Sekunden ausspricht, auf großzügige drei bis vier gestreckt. Offenbar, so mein Schluss, findet auf dem Weg von der Küste zur serbischen Grenze eine Dehnung der Zeit statt. Man scherzt darüber im Rest des Landes, für einen Ausländer aber, der Kroatisch lernen möchte, ist es ideal.

Tafel von Baška
Tafel von Baška (Baščanska ploča) – das älteste glagolitische Denkmal der kroatischen Sprache, um das Jahr 1100; Foto: Wikimedia

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Bomec: Stigao sam!

17. November 2009

Stimmen aus der Fremde –
Expats berichten aus Südosteuropa

Das Handke Syndrom, Teil II

Der erste Teil hier

Mir ist diese Denkweise fremd, bin ich doch selbst als Deutscher, der lange nach Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieg geboren wurde, daran gewöhnt, bei der Erwähnung von Holocaust und den Angriffskriegen, die von meinem Land ausgingen, sofort und ohne jedes ’wenn’ und ‘aber’ den Kopf zu senken und ‘mea culpa’ zu sagen. Nie käme ich auf die Idee, bei einem Gespräch über die Naziverbrechen darauf hinzuweisen, welche Verbrechen der Roten Armee beispielsweise mein Vater auf seiner Flucht aus Ostpreußen mit erleben musste, oder wie viele Zivilisten bei der Bombardierung von Dresden sinnlos umgebracht wurden. In gewisser Weise ist die deutsche Nachkriegsgeneration in der komfortablen Situation, dass die Schuldfrage im Zweiten Weltkrieg klar ist: Die deutschen Nazis hatten Schuld, wir waren die Bösen. Punkt. Die Tatsache bringt andere Probleme mit sich, das Verdrängen, das Vergessen, aber irgendwie scheint es für die Deutschen deswegen einfacher, einen Strich unter die Vergangenheit zu ziehen und nach vorne zu sehen. Auf dem Balkan, in Serbien, wo der Krieg erst wenige Jahre her ist, wo die Biographie jedes einzelnen von persönlichen Kriegserlebnissen geprägt ist, spricht man im Zusammenhang mit Kriegsschuld immer erstmal über die Verbrechen “der anderen”. Serbien gilt in Europa allgemein als Hauptagressor im Jugoslawienkrieg, aber dagegen wehrt sich jeder Serbe vehement. Ja, Serben haben Kriegsverbrechen begangen, aber Kroaten oder Bosniaken waren kein Stück besser. Zum Kotzen das.

“Was würdest du denn sagen, wenn dein Stadtteil Berlin Kreuzberg, wo beinahe mehr Türken als Deutsche leben, plötzlich wie der Kosovo seine Unabhängigkeit erklären würde?”, sagt mein Freund. “Wenn du plötzlich, wie es bei 200.000 Serben im Kosovo der Fall ist, in einem fremden Staat leben würdest? Wenn du auf dem Weg zum Supermarkt deinen Pass vorzeigen und eine Staatsgrenze passieren müsstest? Wenn du keinen freien Zugang mehr hättest zu den Kirchen deiner Gemeinde, zu den Geburtstädten deiner Kultur? Würdest du das akzeptieren?”

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Berlin Kreuzberg; Foto: bomec

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Bomec: Stigao sam!

16. November 2009

Stimmen aus der Fremde –
Expats berichten aus Südosteuropa

Das Handke Syndrom, Teil I

“Was, nach Serbien wollen sie? Freiwillig?”, fragt der Taxifahrer auf dem Weg zum Flughafen Tegel kopfschüttelnd und schweigt fünf Minuten konsterniert. Dann sagt er: “Ich kann nicht verstehen, wie die Leute da noch hinfahren können. Nach allem, was dort vorgefallen ist. Die ganzen Morde. Die ganzen Kriegsverbrechen, die dieses Land begangen hat. Und dann nach ein paar Jahren einfach wieder hinfahren als Tourist, als wäre nichts gewesen. Das kann man doch nicht machen.”

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Uroš Predić: Kosovka devojka (Das Mädchen vom Amselfelde)

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